Wohnen

Umweltbelastung durch Wohnen

Wohnen und die Umwelt schonen

Durch umweltbewusstes Wohnen lässt sich die persönliche Umweltbelastung verringern, ohne dabei die Wohn- und Lebensqualität einschränken zu müssen. Beeinflussen lassen sich beispielsweise die Standortwahl von Wohnung oder Haus, die beheizte Wohnfläche pro Person, Raumtemperatur, verwendete Bau- und Isolationsmaterialien, der Umgang mit Abfällen oder die Energiequelle für Heizung und Haushaltsstrom.

Für den Bereich «Wohnen» gibt es nicht nur eine richtige Lösung, um die persönliche Umweltbelastung zu verringern. Indem Hausbesitzer/innen und Mieter/innen aber möglichst viele Möglichkeiten kennenlernen, um ihre Belastung klein zu halten, können sie entscheiden, wo sie ansetzen wollen. Die Materialien im Werkzeugkasten zeigen unterschiedliche Ansatzpunkte und mögliche Handlungspotenziale auf: beim Erhalt der Qualität von Wasser, Boden und Luft, bei der Einschränkung von Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen, beim Schonen der natürlichen Ressourcen Wasser und Boden sowie beim Vermeiden und Trennen von Abfall.

Energie und Klima

Wohnen verursacht einen hohen Anteil der CO2-Emissionen und des Energieverbrauchs. Im Jahr 2001 legte der Bund deshalb Energie- und Klimaziele fest und leitete Massnahmen für eine höhere Energieeffizienz ein, etwa durch Gebäudesanierungen und die Nutzung von erneuerbaren Energien und Abwärme.

In den Bereichen Isolieren, Lüften Heizen und Kühlen kann ein wichtiger Beitrag zum Einsparen von Energie und zur Reduktion von CO2 Emissionen geleistet werden. In allen Bereichen mit Wärmequellen (Luft, Wasser und Erdreich) sind Hauswärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln den konventionellen Wärmepumpen mit fluorierten Kältemitteln ökologisch überlegen. Wärmepumpen, die Propan als Kältemittel verwenden, gehören in Bezug auf den Energieverbrauch zu den besten heute auf dem Markt verfügbaren Geräten. Ausserdem fallen bei ihnen nur vernachlässigbar geringe Kälteemissionen an. Mit diesen Wärmepumpen können im Vergleich zu den konventionellen HFKW-Wärmepumpen bis zu 17 Prozent der Gesamttreibhausgasemissionen verhindert werden. Prinzipiell jedoch sollten Klimaanlagen wo immer möglich vermieden werden. Dies kann durch eine entsprechende Bauweise und technische Lösungen erreicht werden.

Wasser-, Luft- und Bodenqualität

Siedlungsböden sind oft mit Schadstoffen belastet. Verantwortlich dafür sind häufig ehemalige Kehrichtdeponien und Verunreinigungen durch frühere Industriestandorte, die oft saniert werden müssen, bevor das Land bebaut werden darf. Haus- und Familiengärten belasten den Boden durch den meist hohen Einsatz von Mineraldünger, belasteten Kompost, Pflanzenschutzmitteln und Asche sowie durch das Verbrennen von Abfall. Die Lage der Stadtgärten auf ehemaligen Deponien ist dabei zusätzlich prekär, zudem sind Feuerungs- und Heizungsanlagen aus Industrie, Gewerbe und Haushalten bedeutende Luftschadstoffquellen. Dank technischem Fortschritt konnte die Luftbelastung in diesem Bereich seit den 1990er-Jahren stark vermindert werden. Problematisch sind unter bestimmten Umständen nach wie vor Holzfeuerungen und Holzheizungen. Sie erzeugen grosse Mengen an Feinstaub und Luftschadstoffen. Die illegale Abfallverbrennung (z. B. Karton, Plastikverpackungen, verleimtes oder bemaltes Holz) setzt zudem äusserst gefährliche Gifte wie Dioxine und Furane frei.

Durch die Kehrichtverbrennung gelangen – verglichen mit dem Verkehr, den Heizungen und Industriefeuerungen – nur noch geringe Mengen von Schadstoffen in die Umwelt. Die 29 Schweizer Kehrichtverbrennungsanlagen nutzen die Verbrennungswärme zur Stromerzeugung oder zur Belieferung von Fernwärmenetzen und Industrieanlagen. Dadurch werden etwa 2 % des schweizerischen Energieverbrauchs gedeckt.

Als veritables Wasserschloss Europas verfügt die Schweiz über umfangreiche Wasserressourcen mit guter Qualität. Dennoch belasten Rückstände aus Landwirtschaft, Industrie und Privathaushalten die Gewässer. Dank der Abwasserreinigung hat sich die Trinkwasser- und Gewässerqualität in den letzten Jahrzehnten stark verbessert und auch Mikroverunreinigungen können aus dem Abwasser entfernt werden.  Trotzdem besteht in bestimmten Regionen der Schweiz eine relevante Belastung der Gewässer durch Mikroverunreinigungen aus Punktquellen wie Gebrauchschemikalien, Medikamenten, Bioziden und hormonaktiven Stoffen. In der Schweiz sind über 30’000 solcher Stoffe in unzähligen Produkten im täglichen Gebrauch.

Wasser

Durch die Bevölkerungszunahme und der damit verbundenen Bautätigkeit wurde auch der Verlauf der Gewässer künstlich begradigt oder kanalisiert. Die aktuelle Gewässerschutzpolitik des Bundes hat zum Ziel, Flüsse, Bäche und Seeufer durch Revitalisierungen, ausreichenden Gewässerraum und die Reduktion negativer Auswirkungen der Wasserkraftnutzung wieder aufzuwerten. Synergien von Gewässerschutz, Hochwasserschutz und Biodiversität werden sich positiv auf die Umwelt sowie die Lebensqualität auswirken.
Beim Wohnen besteht grosses Potenzial zum Wassersparen. Schon mit einfachen Mitteln wie dem Einsatz von Wasserspardüsen, der Nutzung von Regenwasser zum Beispiel im Garten oder durch Duschen statt Baden kann viel Wasser gespart werden.

Raum und Boden

Der grösste Teil des Bodens in der Schweiz wird in irgendeiner Form genutzt. Der Anteil der Siedlungsfläche (Fläche für Wohnen, Produktion, Konsum, Mobilität, Freizeit etc.) macht nur 5 % aus, 35 % werden landwirtschaftlich kultiviert, wobei durch die fortschreitende Versiegelung dieser Böden nur noch 0,14 Hektaren Ackerfläche pro Kopf zur Verfügung stehen. 30 % bedecken Wald oder Gebüsch und 25 % entfallen auf Naturräume in höheren Alpenlagen.

Die Ressource Boden ist nicht erneuerbar und seine begrenzte Verfügbarkeit wird in der Schweiz durch die fortschreitende Zersiedelung spürbar. Durch die innere bauliche Verdichtung sollten die Nutzungsreserven ausreichen, um das künftige Bevölkerungswachstum ohne weitere Ausdehnung der Bauzonen bewältigen zu können.

Die Versiegelung – das heisst die dauerhafte und undurchlässige Ab- oder Überdeckung der Bodenoberfläche, die den Austausch von Wasser, Luft und Energie zwischen Atmosphäre und Boden praktisch verhindert – von fruchtbarem Boden durch den Bau von Gebäuden, Strassen und weiteren Infrastrukturen setzt sich fort, was auch eine Zerschneidung der Landschaft mit sich bringt. Dies wiederum wirkt sich zudem negativ auf Landschaftsleistungen wie Erholung und Gesundheit, Identifikation und Vertrautheit oder die Standortattraktivität aus.

Die versiegelte Fläche der Schweiz entspricht 1‘920 km² – und ist damit beinahe so gross wie der Kanton St. Gallen. Nicht alle Regionen sind gleich stark versiegelt, die Talböden und Ebenen der grossen Gebirgsflüsse sind am stärksten betroffen. Das Mittelland weist mit gut 10 % die höchsten, Alpennord- und Alpensüdflanke sowie die Zentralalpen mit weniger als drei % die geringste versiegelte Fläche auf.

Nicht nur der reine Flächenbedarf in naturnahen Räumen, sondern auch der Verbrauch von Baumaterialien wie Steinen und Erde, Metall oder Holz beeinflussen die Qualität unserer Umwelt. Eine hochwertige Sanierung von bestehendem Wohnraum – auch in energetischer Hinsicht – beansprucht deutlich weniger Ressourcen als ein Neubau. Wohnen im Zentrum oder in Zentrumsnähe ermöglicht zudem die Nutzung der bestehenden Infrastruktur. Bestrebungen zur inneren baulichen Verdichtung mit hoher Qualität und bestehender Erschliessung sollten daher raumplanerisch vorangetrieben werden.

Dem entgegengesetzt zeigen die Volkszählungen der Jahre 2010-2014 eine deutliche Zunahme der Wohnfläche pro Person auf. Wurden 1980 pro Person im Eigentum durchschnittlich 38 m² und zur Miete 31 m² bewohnt, so stiegen diese Zahlen bis im Jahr 2015 auf 41 m² und 52 m² pro Person. Die Fläche von Eigentumswohnungen beträgt derzeit durchschnittlich 133 m², jene von Mietwohnungen 83 m².

Abfall

Seit 1983, mit der Verabschiedung des Abfallgesetzes, hat die Abfallpolitik des Bundes zu einer deutlichen Reduktion der Umweltbelastung durch die Abfallentsorgung geführt. Trotz hoher Entsorgungsstandards und leistungsfähiger Infrastruktur bestehen Potenziale zum Ausbau des Recyclings bzw. zum Schliessen noch offener Stoffkreisläufe; dies betrifft insbesondere Siedlungsabfälle, biogene Abfälle sowie Bauabfälle. Obwohl hohe Quoten bei der Separatsammlung von Glas, Aluminium, PET und Altpapier erzielt werden, muss zur Senkung der Umweltbelastung noch stärker am Anfang der Produktionskette und beim Konsumverhalten angesetzt werden: Menge, Herkunft, Verpackung und Transportwege, Qualität und Produktionsmethoden sind entscheidend für die Umweltbelastung durch Konsumgüter.

Als Folge des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums ist die Menge des Siedlungsabfalls von 1990 bis 2012 um 30 % gewachsen. 2016 fielen 6,1 Millionen Tonnen Abfälle – 715 kg pro Kopf – an. Die Bautätigkeit generiert mit jährlich rund 16 bis 17 Millionen Tonnen Rückbaumaterialien (ohne Aushub und Abbruch) die grösste Menge.

Auch Littering verursacht jährliche Kosten von 200 Millionen Schweizer Franken.

Sonderabfälle, Abfall aus Industrie und Gewerbe sowie Klärschlamm nehmen stetig zu. Die Zunahme der Sonderabfälle ist schwergewichtig auf die Sanierung von Altlasten, d. h. auf den Aushub von belastetem Erdreich, zurückzuführen – also auf eine Umweltschutzmassnahme.

Die Abfallentsorgung in der Schweiz wird hauptsächlich nach dem Verursacherprinzip finanziert. So bezahlen die Einwohner und Einwohnerinnen die Beseitigung und Behandlung von Siedlungsabfällen. Im Jahr 2011 bezahlten rund 80 % der Bevölkerung ihre Abfallentsorgung ganz oder teilweise über mengenabhängige Gebühren. 20 % finanzierten sie aus Steuermitteln oder nur über eine Grundgebühr. Die Beseitigung und Behandlung von Gewerbe- und Industrieabfällen wird durch die Betriebe und Unternehmen finanziert.

Die persönliche Umweltbelastung durch Wohnen ist sehr unterschiedlich. Mehrere Aspekte haben direkten Einfluss:

Wer wohnt? Ob Eigentümer oder Mieter, macht einen Unterschied.

Wo wird gewohnt? Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr, Versorgung, Mobilität, Flächenverbrauch in der Stadt und auf dem Land, urbane Qualitäten.

In was wird gewohnt? Gebäudetyp (Mehrfamilienhaus, Reihenhaus, Einfamilienhaus etc.), Gebäudestandard (beispielsweise Minergie-ECO), Energieversorgung und Energieproduktion, thermische Qualität der Gebäudehülle, Bausubstanz, Unterhalt, Anlagen, Umschwung, Anpassungsmöglichkeit für verschiedene Lebensabschnitte.

Wie wird gewohnt? Flächenverbrauch (beheizte Fläche pro Person nicht zu gross), genutzte Energieträger, Mix der Bewohner/innen, Nutzungen (Ausstattung und Einrichtung wie Möbel, Geräte und Licht), gemeinsam genutzte Räume, Umschwung (Garten, Balkone).

Das persönliche Reduktionspotenzial hängt von vielen Variablen ab. Eine geringe Umweltbelastung erreicht man beispielsweise durch das Bewohnen eines energieeffizienten Mehrfamilienhauses in der Nähe des Arbeitsortes und der Freizeitaktivitäten, eine geringe Wohnfläche je Person, die Nutzung bestehender öffentlicher Infrastruktur, den Kauf und den Gebrauch von energiesparenden Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik, den Einsatz von erneuerbarer Energie wo möglich sowie durch den Kauf von regional und lokal produziertem, langlebigem und rezyklierbarem Mobiliar aus erneuerbaren Ressourcen oder Recyclingmaterial. Die Möglichkeiten der Abfalltrennung und der sparsame Umgang mit Trinkwasser und Heizungswärme verbessern die Ökobilanz, desgleichen ein geringer Anteil an Wohnfläche pro Person und gemeinsam genutzte Räume bei neuen Wohnformen. Weitere Handlungsspielräume eröffnen sich durch die jeweilige Besitzform und die Kaufkraft.

Vertiefte Informationen zum Thema Wohnen enthalten die folgenden Seiten (nicht abschliessend):

Wo, in welchen Gebäudearten und wie wir wohnen, wirkt sich auf das persönliche Wohlbefinden aus. Neben messbaren Faktoren wie etwa einem dichten Dach und gut isolierten Räumen mit behaglichem Wohnklima spielen auch weiche Faktoren eine entscheidende Rolle: Besteht ausreichend privater Raum, wie ist das soziale Gefüge am eigenen Wohnort, werden Grundregeln des gesellschaftlichen Nebeneinanders eingehalten? Fragen zu umweltschonenden Aspekten werden oft erst nach der Sicherung von Grundbedürfnissen gestellt.

UND AUSSERDEM

30%

Zuwachs ist bei den Siedlungsabfällen zwischen 1990 bis 2012 zu verzeichnen.

17 Mio. t

Rückbaumaterial wird jährlich durch die Bautätigkeit in der Schweiz generiert.

+50%

Die Recyclingquote hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt.

273 kg

Sonderabfall produzierte jeder Schweizer Einwohner (2016).

3,55 Mio. t

Abfall wird in der Schweiz verbrannt (2017).

85’000

Hektaren Kulturland sind zwischen 1985 und 2009 verloren gegangen, 2/3 davon sind überbaut worden. Dies entspricht der Fläche des Kantons Jura.

+23,4%

haben die Siedlungsflächen zwischen 1978 und 2009 zugenommen. Der höchste Anteil geht dabei mit 37’016 Hektaren auf den Bau von Gewerbefläche zurück.

16’000

überwiegend kleinere Landwirtschaftsbetriebe sind seit der Jahrtausendwende verschwunden.

84m²

beträgt der Wohnflächenverbrauch der Einpersonenhaushalte in der Schweiz. Personen mit Migrationshintergrund beanspruchen durchschnittlich 71m².

10%

des gesamten Stroms werden von Unterhaltungselektronik und Computer verbraucht in einem durchschnittlichen Schweizer Haushalt.

25%

der gesamten Schweizer Treibhausgas-Emissionen fallen durch den Energieverbrauch in Gebäuden (Privathaushalte, Dienstleistungs- und Industriegebäude) an.

650

Wasserkraftwerke zählt die Schweiz heute.

3’164 GWh

Strom lieferten 2016 die neuen erneuerbaren Energiequellen Fotovoltaik, Biomasse, Biogas, Windenergie und erneuerbare Abfallanteile. Das entspricht 5,4% der Schweizer Netto-Stromproduktion.

knapp 20%

der gesamten Treibhausgasemissionen wurden in der Schweiz durch den CO2-Ausstoss der Haushalte verursacht (2016).

97%

der Haushaltungen in der Schweiz sind an Kläranlagen angeschlossen. In Europa sind es 60%.

80%

der Befragten sind bereit, mehr für Produkte zu bezahlen, wenn dadurch die Luftbelastung verringert werden könnte.

162 L

Trinkwasser werden durchschnittlich pro Person und Tag verbraucht.

90%

der Messstellen weisen eine gute bis sehr gute Wasserqualität aus.